Über mich

1,64m
Höchstgewicht: 63kg (April 2011)
Tiefstgewicht: 40,5kg (Februar 2012)

 


Folgendes spiegelt zweifellos kein gesundes Verhalten wider. Ich bitte euch, dieses Verhalten in keinsder Weise nachzuahmen. 


Hallo ihr Lieben,

Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll. 

Okay, wann hat es begonnen... 
Begonnen hat es im Frühjahr 2011. Eigentlich nicht solange her. Begonnen hat es mit 63kg bei 1,64m. Da war ich 14,5. Das war ein BMI von 23,4. Das war viel zu viel oberes Normalgewicht. Da war ich glücklich. Da konnte ich lachen. Da unternahm ich etwas mit Freunden und kümmerte mich um meine Tiere. Da hatte ich Energie und Freude am Leben. 

Dann suchte ich einen Lebensinhalt. Etwas, in das ich meine Zeit und Energie investieren kann. Und da ich mit meinem Körper nie zufrieden war, kam mir das Abnehmen gerade recht. 
Doch Verzichten war nie meine Stärke. Deshalb habe ich einen anderen Weg gefunden. Ich erbrach. 
Erbrechen war für mich noch nie eine große Sache. Wenn ich krank war und mir übel war, bin ich mal eben schnell kotzen gegangen und alles war super. Wenn ich mal zu viel gegessen habe und mein Bauch schmerzte, ging ich mal eben schnell kotzen und die Schmerzen waren weg. Das ging einfach so, ohne Finger, ohne Hilfsmittel. Ich fand das eigentlich nie besonders. 
Ich begann mich nach normalen Mahlzeiten zu erbrechen. Anfangs war ich nicht wirklich vorsichtig und es kam auch nie alles raus, aber das war mir egal. Die Zahl auf der Waage sank und ich war zufrieden. 

Die ersten 10kg purzelten wie im Flug. Dabei war erst wenig Zeit vergangen, 3 oder 4 Monate. Niemand bemerkte was. Niemand sprach mich darauf an. 
In den Sommerferien spitzte sich die Lage zu. Aus Langeweile begann ich, für Fressanfälle einkaufen zu gehen. Zunächst immer nur wenig, doch das sollte sich bald ändern. 
Denn gegen Ende der Sommerferien stellte meine Mam fest, dass ich aß und aß und trotzdem immer mehr abnahm. Sie stellte mich zur Rede, ließ mir keine Fluchtmöglichkeit und so musste ich es ihr beichten. 
Das war eine furchtbare Zeit. Meine Eltern waren total überfordert, engten mich ein, überwachten mich, machten mir Vorwürfe, hatten viel zu hohe Erwartungen, denen ich einfach nicht gerecht werden konnte. Dadurch wurde es noch viel schlimmer und die Heimlichtuereien, Unehrlichleiten und vorallem Fressanfälle wurden extrem. 
Dann besuchte ich jede Woche ein Beratunggespräch. Das Reden tat gut und ich ging gerne hin. Ich freut mich immer auf meine Termine. Endlich jemand, bei dem ich ehrlich sein kann, bei dem ich keine Maske aufsetzen muss. Die Frau von der Beratung war begeistert von mir. 
Sie riet meinen Eltern, mich selber entscheiden zu lassen. Ich sollte essen, brechen und wiegen wann und wieviel ich will, ich wäre für mich selber verantwortlich. Sie sollten auf keinen Fall einschreiten, das würde mich nur noch mehr einengen.
Das war ein Fehler. 
Langsam begann ich, ununterbrochen zu essen. (man muss dazu sagen, dass ich so gut wie nie "fresse" sondern das Essen trotzdem genießen kann, was ja eigentlich untypisch ist) Den ganzen Tag war ich am essen, ständig. Es gab keine halbe Stunde, in der ich mir nichts zu essen holte. Genausooft erbrach ich mich natürlich und langsam eignete ich mir Strategien an, um alles rauszubringen. Und obwohl ich an den meisten Tagen über 10000kcal zu mir nahm, wog ich zu Weihnachten 2011 45kg. 

Das ist der Punkt an dem ich nun stehe. Ich bin mit meinen Kräften am Ende, kann kaum gerade stehen, ohne den Halt zu verlieren, kann nichts anderes machen, als fressen und brechen, fressen und brechen, den ganzen Tag. 
Gelacht habe ich seit einem halben Jahr nicht mehr. Nichts ist so schön oder lustig, um mich zum Lachen zu bringen. Lachen ist zu anstrengend für mich geworden. Ich gebe im Monat 300-500€ für Essen aus. Woher ich das Geld habe? Keine Ahnung. Geklaut. Geschenkt bekommen. Irgendwie komme ich immer daran. 
Für Schule bin ich zu müde geworden. Immer öfter bleibe ich tagelang zu hause, obwohl ich nicht krank bin, da ich einfach keine Kraft habe.
Alle machen sich Sorgen, doch niemand weiß Bescheid außer meiner Familie und mir. Jeder spricht mich darauf an, eigentlich wissen es ohnehin schon alle. Aber aussprechen mag es niemand.
Inzwischen habe ich eine eigene Thera, doch auch die kann mir nicht mehr helfen. Und bislang war ich immer kooperativ. Sah keinen Grund, unehrlich zu meiner Thera zu sein. Habe mich selber schon nach Kliniken umgesehen, unter der Voraussetzung, das Schuljahr fertig machen zu dürfen. 


Doch nun wollen sie mir alles nehmen. 
Alles kaputt machen, wofür ich so hart geschuftet habe. 
Mich überwachen, mich zum Essen zwingen, mich nach dem Essen beaufsichtigen, meine Sachen durchsuchen, meine Taschen inspizieren.
Wollen nicht bis zu den Sommerferien warten, um mich in eine Klinik zu stecken. 
Ich will das nicht! Solange habe ich mitgearbeitet, solange habe ich mich für eine Veränderung bereiterklärt! Doch nun werde ich mich mit Händen und Füßen dagegen wehren! 

- Amalia